Mitmachen statt nur zuschauen – So gewinnen Sie Kandidaten für die BR-Wahl
Jede Betriebsratswahl ist mehr als ein formaler Akt – sie ist ein Zeichen gelebter Mitbestimmung. Wenn im Betrieb offen gesprochen, zugehört und motiviert wird, entsteht Begeisterung für das, was zählt: füreinander einzustehen. Mit guter Öffentlichkeitsarbeit, klarer Kommunikation und persönlicher Ansprache gewinnen Sie nicht nur Kandidaten, sondern Menschen, die etwas bewegen wollen.
Frühzeitig planen und den Überblick behalten
Schon Monate vor der Wahl lohnt es sich, die eigene Wahlkampagne zu planen. Schauen Sie gemeinsam im Gremium zurück:
- Wie lief die letzte Wahl?
- Welche Maßnahmen haben funktioniert, welche eher nicht?
- Und was wünschen sich die Beschäftigten für die nächste Amtszeit?
Aus dieser Analyse lassen sich klare Ziele ableiten:
- Soll die Wahlbeteiligung steigen?
- Sollen neue, jüngere Kollegen angesprochen werden?
- Oder geht es darum, erfahrene Betriebsräte zur Wiederwahl zu motivieren?
Ein realistischer Zeitplan ist dabei Gold wert. Je früher das Team mit der Kommunikation beginnt, desto stärker wächst das Vertrauen in den Betriebsrat – und desto leichter fällt es später, Kandidaten zu gewinnen.
Kandidatengewinnung zur Betriebsratswahl
Die beste Wahl braucht gute Vorbereitung. Denn eine erfolgreiche Betriebsratswahl hängt nicht nur von formalen Fristen ab – sie steht und fällt mit der rechtzeitigen Kandidatengewinnung. Indem Sie frühzeitig informieren, offen werben und mit den Menschen sprechen, sorgen Sie dafür, dass sich viele Beschäftigte beteiligen und engagierte Kandidaten gefunden werden.
Kommunikation, die ankommt
Setzen Sie auf eine Mischung aus persönlichem Austausch und modernen Kommunikationswegen. Nutzen Sie das Intranet, Newsletter oder kurze Videobotschaften, um Interesse zu wecken. Gestalten Sie Plakate mit klaren Botschaften, die ins Auge fallen und Neugier wecken. Erzählen Sie Geschichten aus der Praxis – was sich durch die Betriebsratsarbeit verbessert hat, welche Projekte laufen und welche Themen als Nächstes anstehen.
Auch kleine Aktionen können viel bewirken: Ein Infostand in der Kantine, eine offene Sprechstunde oder ein kurzer Beitrag bei der Betriebsversammlung. Wichtig ist, dass die Kommunikation nicht belehrend wirkt, sondern offen, ehrlich und auf Augenhöhe erfolgt.
Das sollten potenzielle Kandidaten wissen:
- Mitglieder im Betriebsrat haben Anspruch auf Freistellung – die Arbeit wird bezahlt.
- Schulungen zur Betriebsratsarbeit sind gesetzlich vorgesehen.
- Ein besonderer Kündigungsschutz gilt ab dem Zeitpunkt der Kandidatur.
- Niemand ist allein: Das Gremium unterstützt sich gegenseitig.
Die richtige Ansprache – persönlich und ehrlich
Menschen lassen sich am besten durch persönliche Gespräche begeistern. Sprechen Sie gezielt Kollegen an, die sich im Betrieb engagieren, sich für andere einsetzen oder Missstände offen ansprechen. Genau diese Menschen bringen oft das mit, was einen guten Betriebsrat ausmacht: Empathie, Teamgeist und Mut, Dinge anzupacken.
So gelingt’s:
- Werben Sie nicht allgemein, sondern mit konkretem Lob: „Du bist jemand, der Dinge anpackt. Das brauchen wir im Gremium.“
- Zeigen Sie Wertschätzung: „Du hast ein gutes Gespür für die Stimmung im Team. Genau solche Leute braucht der Betriebsrat.“
- Machen Sie Mut: „Niemand wird als Experte geboren, wir wachsen da alle rein.“
- Bieten Sie Begleitung an: „Wir stehen dir im Team zur Seite und helfen dir beim Einstieg.“
- Nehmen Sie mögliche Bedenken ernst: „Du musst nicht alles sofort wissen, Schulungen vermitteln dir das nötige Wissen Schritt für Schritt.“
Öffentlichkeitsarbeit: Sichtbar machen, was der Betriebsrat bewegt
Viele wissen gar nicht genau, was der Betriebsrat tagtäglich leistet. Deshalb ist es wichtig, die eigene Arbeit sichtbar zu machen. Zeigen Sie, welche Themen Sie bewegt haben – etwa Verbesserungen beim Gesundheitsschutz, flexiblere Arbeitszeiten oder klare Regelungen bei der mobilen Arbeit.
Solche Beispiele machen greifbar, wofür der Betriebsrat steht. Sie schaffen Nähe und zeigen, dass Mitbestimmung etwas verändert. Dabei kommt es nicht auf große Worte an, sondern auf konkrete Erfolge, die im Arbeitsalltag spürbar sind.
Sorgen Sie für Klarheit durch:
- kurze Info-Sessions oder Betriebsversammlungen
- eine verständliche Übersicht zu Aufgaben und Rechten des Gremiums
- Gespräche „auf dem Flur“ – direkt, persönlich und ohne Druck
Betriebsrat werden – was erwartet die neuen Mitglieder?
Entscheidend ist natürlich, dass Sie mögliche Interessenten am Betriebsratsamt inhaltlich überzeugen. Also: Welche Aufgaben und Rechte hat der Betriebsrat eigentlich?
Die Aufgaben des Betriebsrats
- Überwachung geltender Gesetze, Tarifverträge, Unfallverhütungsvorschriften und Betriebsvereinbarungen
- Antrag und Durchsetzung von Maßnahmen, die dem Betrieb und der Belegschaft dienen
- Gleichberechtigung von Frauen und Männern
- Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- Förderung und Sicherung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer im Betrieb
- Behandlung von Anregungen von Jugendlichen und Azubis
- Integration ausländischer Arbeitnehmer
- Förderung und Sicherung der Beschäftigung im Betrieb
- Förderung der Eingliederung besonders schutzbedürftiger Personen und (schwer-)behinderter Arbeitnehmer
- Umsetzung von Maßnahmen des betrieblichen Umweltschutzes und des Arbeitsschutzes.
Mitsprache des Betriebsrats
Neben diesen allgemeinen Aufgaben gibt es eine Reihe von ganz konkreten und wichtigen Themen, bei denen der Arbeitgeber zwingend auf die Mitsprache des Betriebsrats angewiesen ist. Dazu gehören unter anderem die
- Arbeitszeit,
- betriebliche Lohngestaltung,
- Aufstellung allgemeiner Urlaubsgrundsätze und des Urlaubsplans,
- Überwachung von Leistung und Verhalten der Arbeitnehmer mittels technischer Anlagen,
- Unfallverhütung und der Arbeitsschutz,
- Gestaltung von betrieblichen Sozialeinrichtungen,
- Festlegung von Akkord- und Prämiensätzen sowie leistungsorientierter Vergütung,
- Einschränkung, Stilllegung und Verlagerung des Betriebs,
- Aufstellung eines Sozialplans, in dem die wirtschaftlichen Nachteile für die Arbeitnehmer ausgeglichen oder abgemildert werden (Betriebsänderung),
- Berufsbildung im Betrieb und Überwachung der Ausbildung.
Betriebsratsarbeit soll vertrauensvoll und zum Wohle des Betriebs und der Belegschaft mit dem Arbeitgeber gemeinschaftlich erfolgen. Eine Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle hat im Jahr 2015 belegt, dass Unternehmen 15 Jahre nach der Gründung eines Betriebsrats durchschnittlich eine Produktivitätssteigerung von 25 % zu verzeichnen haben.
Frauen und junge Menschen gezielt einbeziehen
Gerade Frauen, Teilzeitkräfte oder Jüngere sind im Betriebsrat oft unterrepräsentiert – dabei bringt gerade ihre Perspektive frischen Wind ins Gremium. Laden Sie diese Personengruppen gezielt ein und zeigen Sie die Vorteile auf:
- Du weißt früh, was im Unternehmen geplant ist.
- Du gestaltest aktiv mit, statt nur abzuwarten.
- Du entwickelst deine Fähigkeiten weiter z. B. in Kommunikation, Recht und Teamarbeit.
- Du wirst als Stimme deiner Kolleginnen und Kollegen ernst genommen.
Aufmerksamkeit für die Wahl schaffen – digital und vor Ort
Je näher der Wahltag rückt, desto wichtiger wird die Präsenz. Erinnern Sie an Termine, stellen Sie Kandidaten vor und sorgen Sie dafür, dass die Wahl in aller Munde ist. Nutzen Sie dazu verschiedene Kanäle, um auf die Wahl aufmerksam zu machen. Ein Mix aus persönlichen Gesprächen und medialer Präsenz hilft, Interesse zu wecken und im Gespräch zu bleiben.
Gute Ideen:
- Plakate in der Kantine, Umkleide oder im Pausenraum
- kleine Countdown-Aktionen im Intranet oder am Schwarzen Brett
- Flyer mit Erfahrungsberichten von aktiven Betriebsratsmitgliedern
- Beiträge im Intranet oder kurze Videos im Newsletter
- Vorstellung aktueller Erfolge (z. B. neue Betriebsvereinbarungen)
Wecken Sie den Wahlspirit und motivieren Sie die Belegschaft, ihre Stimme abzugeben – nicht nur, weil es ihr Recht ist, sondern weil es um ihre Arbeitsbedingungen geht. Eine hohe Wahlbeteiligung ist das stärkste Signal, dass Mitbestimmung im Betrieb gelebt wird.
Fazit: Mit System zum vollen Kandidatenzettel
Für Wahlvorstände ist die Kandidatengewinnung keine Pflichtaufgabe – aber der Schlüssel für eine erfolgreiche Wahl. Denn: Ohne überzeugte Kandidaten keine Wahl. Der Artikel zeigt Ihnen, wie Sie gezielt für Kandidaturen werben, Unsicherheiten abbauen und echte Motivation wecken.
Was Sie konkret mitnehmen können:
- Frühzeitige Kommunikation lohnt sich: Starten Sie Monate vor dem Wahltag mit Gesprächen, Info-Angeboten und kleinen Aktionen.
- Persönliche Ansprache ist entscheidend: Allgemeine Aufrufe erreichen selten ihr Ziel – setzen Sie auf direkte Gespräche mit engagierten Kollegen.
- Bieten Sie Sicherheit und Orientierung: Viele zögern aus Unwissenheit. Klären Sie über Freistellung, Schulungsanspruch und Kündigungsschutz auf und zeigen Sie, dass niemand im Betriebsrat allein ist.
- Vielfalt aktiv fördern: Sprechen Sie gezielt Frauen, Jüngere oder bisher weniger sichtbare Gruppen an. Das schafft ein starkes und glaubwürdiges Gremium.
- Nutzen Sie einfache Medien wirkungsvoll: Ob Aushang, Intranet, Newsletter oder kurze Video-Statements – Sichtbarkeit schafft Vertrauen.
Ein starker Wahlvorstand geht also nicht nur organisatorisch, sondern auch kommunikativ voran. Wer aktiv auf Menschen zugeht, ihnen zuhört und verständlich erklärt, macht den Weg frei für eine echte Wahl mit Auswahl. So entsteht Mitbestimmung, die lebt.