Vereinfachtes Wahlverfahren: Briefwahl für alle?

Eine Briefwahl komplett für alle Arbeitnehmer im vereinfachten Wahlverfahren durchzuführen, das geht leider nicht. Der § 35 WO regelt im Detail, wann genau und unter welchen Umständen es nur zu einer schriftlichen Stimmabgabe kommen kann. Und nach § 35 geht die schriftliche Stimmabgabe, genauer, die nachträgliche schriftliche Stimmabgabe, nur in diesen drei Fällen:

Erstens: Ein wahlberechtigter ist verhindert, an der Wahlversammlung zur Wahl des Betriebsrats teilzunehmen, um seine Stimme persönlich abzugeben.
Beispiel: Weil er krank ist oder im Urlaub. Und wenn der wahlberechtigte daher verlangt, seine Stimme durch Briefwahl abzugeben, dann muss der Wahlvorstand dem wahlberechtigten die Wahlunterlagen für die nachträgliche schriftliche Stimmabgabe zur Verfügung stellen.
Wichtig dabei: Der wahlberechtigte muss das Verlangen nach Briefwahl spätestens drei Tage vor dem Tag der Wahlversammlung zur Wahl des Betriebsrats mitgeteilt haben.

Zweitens: Der wahlberechtigte wird wegen der Eigenart seines Beschäftigungsverhältnisses am Tag, an dem die Wahlversammlung zur Wahl des Betriebsrats stattfindet, im Betrieb nicht anwesend sein können. Und der Wahlvorstand weiß davon. In so einem Fall hat der Wahlvorstand sogar ohne Verlangen des wahlberechtigten die Unterlagen für die schriftliche Stimmabgabe dem wahlberechtigten zukommen zu lassen.
Beispiele: Außendienst'ler, Arbeitnehmer im Home-Office oder in Heimarbeit beschäftigte.

Drittens: Wenn es Betriebsteile und Kleinstbetriebe gibt, die räumlich weit vom Hauptbetrieb entfernt sind, für diese Einheiten kann der Wahlvorstand die schriftliche Stimmabgabe beschließen. Und wer als Wahlvorstand insoweit "A" sagt, muss auch "B" sagen und daher den Arbeitnehmern, die in diesen räumlich weit entfernten Einheiten arbeiten, dann noch ohne weiteres die Unterlagen für die nachträgliche schriftliche Stimmabgabe zukommen lassen.
Also: Schriftliche Stimmabgabe ist möglich, aber nur eben in den vom Gesetz genannten Fällen. Und dass ganze Einheiten per Briefwahl abstimmen können, das geht nur für räumlich weit entfernte Betriebsteile und Kleinstbetriebe, die bei der Wahl im Hauptbetrieb mitwählen. Das geht aber nicht für den Hauptbetrieb selbst.