Briefwahl komplett für alle Arbeitnehmer im normalen Wahlverfahren - Geht das?

Eine Briefwahl komplett für alle Arbeitnehmer im normalen Wahlverfahren durchführen, das geht nicht. Denn § 24 WO regelt im Detail wann genau und unter welchen Umständen es nur zu einer schriftlichen Stimmabgabe kommen kann. Und nach § 24 geht die schriftliche Stimmabgabe nur in diesen drei Fällen:

Erstens: Ein wahlberechtigter ist am Wahltag verhindert seine Stimme im Wahlraum abzugeben. Beispielsweise weil er krank ist oder im Urlaub. Und wenn der wahlberechtigte daher verlangt, seine Stimme durch Briefwahl abzugeben, dann muss der Wahlvorstand dem wahlberechtigten die Wahlunterlagen für die schriftliche Stimmabgabe zur Verfügung stellen.

Zweitens: Der wahlberechtigte wird wegen der Eigenart seines Beschäftigungsverhältnisses am Wahltag nicht im Betrieb anwesend sein können. Und der Wahlvorstand weiß davon. In so einem Fall hat der Wahlvorstand sogar ohne Verlangen des wahlberechtigten die Unterlagen für die schriftliche Stimmabgabe dem wahlberechtigten zukommen zu lassen.
Beispiele: Außendienst'ler, Arbeitnehmer im Home-Office oder in Heimarbeit beschäftigte.

Drittens: Wenn es Betriebsteile und Kleinstbetriebe gibt, die räumlich weit vom Hauptbetrieb entfernt sind, für diese Einheiten kann der Wahlvorstand die schriftliche Stimmabgabe beschließen. Und wer als Wahlvorstand insoweit "A" gesagt hat, muss auch daher "B" sagen und daher den Arbeitnehmern, die in diesen räumlich weit entfernten Einheiten arbeiten, dann auch ohne weiteres die Unterlagen für die schriftliche Stimmabgabe zukommen lassen.

Also: Schriftliche Stimmabgabe ist möglich, aber nur in denen vom Gesetz genannten Fällen und das ganze Einheiten per Briefwahl abstimmen können, das geht nur für räumlich weit entfernte Betriebsteile und Kleinstbetriebe, die bei der Wahl im Hauptbetrieb mitwählen. Das geht aber nicht für den Hauptbetrieb selbst.